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Das Delegationsprogramm der Solana Foundation und die Herausforderungen für Long-Tail-Validatoren
Blog/Forschung

Das Delegationsprogramm der Solana Foundation und die Herausforderungen für Long-Tail-Validatoren

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31 Min. Lesezeit

Herzlichen Dank an Zantetsu von Shinobi Systems, Michael von Laine | Stakewiz und Ben Hawkins für die Durchsicht früherer Versionen dieser Arbeit.

Praktische Erkenntnisse

  • Der Betrieb eines Solana-Validators ist erlaubnisfrei. Es gibt keinen vorgeschriebenen Mindest-Stake. Keine einzelne Organisation, einschließlich der Solana Foundation, kann kontrollieren, wer im Netzwerk aktiv ist.
  • Validatoren erzielen Einnahmen in SOL, die direkt mit ihrem Stake skalieren. Viele Betriebskosten sind dagegen fix und werden in Fiatwährung bezahlt. Diese Dynamik benachteiligt neue Long-Tail-Validatoren mit geringem Stake.
  • Das SFDP delegiert einen Stake von 51 Millionen, was 13 % von Solanas gesamtem Stake (385 Millionen) entspricht. Zu Beginn des Programms im Dezember 2020 waren es noch 100 Millionen.
  • Das SFDP arbeitet äußerst transparent. Es veröffentlicht detaillierte Kriterien für Delegationen, granulare Informationen in einem Dashboard, automatisierte Epoch-Updates und öffentliche Support-Kanäle. Alle Delegationen werden über ein einziges öffentlich bekanntes und gekennzeichnetes Konto verwaltet.
  • 72 % der Solana-Validatoren werden vom SFDP unterstützt und vereinen 19 % des Stakes auf sich. Die 420 Validatoren, die nicht vom SFDP abhängig sind, kontrollieren 81 % des Stakes.
  • Wegen einer festen Obergrenze von 1 Million SOL für externen Stake kann sich kein Validator aus der Ein-Drittel-Superminorität oder der Zwei-Drittel-Supermajorität für die Unterstützung durch das SFDP qualifizieren.
  • Die vom SFDP delegierten Stakes fallen in 2 Kategorien: Stake Matching (bis zu 100.000 SOL) und Restdelegation (ca. 30.000 SOL). Im ersten Jahr des Programms werden zudem die Abstimmungskosten teilweise übernommen. Die durchschnittliche Delegation beträgt 45.652 SOL.
  • 73 % der SFDP-Teilnehmer haben außerhalb des Programms weniger als 10.000 Stake eingeworben. 51 % haben weniger als 1.000 eingeworben.
  • Wir schätzen, dass bei einer sofortigen Einstellung des SFDP etwa 897 Programmteilnehmer – 57 % aller Solana-Validatoren – Schwierigkeiten hätten, profitabel zu arbeiten.
  • Um Marktanteile zu gewinnen, müssen unabhängige Long-Tail-Validatoren entweder um Stake konkurrieren, der aktiv on-chain verwaltet wird und auf Faktoren wie APY-Raten reagiert, oder Zuweisungen von wenigen ausgewählten, stark umkämpften großen Stake-Pools sichern.
  • Es gibt mehrere Szenarien, in denen sich der unprofitable Betrieb eines Validators lohnt. Das gilt besonders, wenn daraus Vorteile für andere Geschäftsbereiche entstehen. Dies trifft insbesondere auf Ökosystem-Teams zu, die dApps, Wallets oder Infrastruktur betreiben.

Einführung

Das Delegationsprogramm der Solana Foundation (SFDP) erhielt im Juni viel Aufmerksamkeit, nachdem mehrere Teilnehmer zwangsweise aus dem Programm entfernt worden waren. Diese Validatoren hatten nachweislich an privaten Mempools teilgenommen und damit ausdrücklich gegen die Programmbedingungen verstoßen.

Branchenmedien berichteten ausführlich darüber. Anschließend verbreiteten sich online zahlreiche schlecht informierte Kritiken und Falschinformationen. Der Vorfall zeigte, dass eine formale Analyse des SFDP und seiner positiven wie negativen Auswirkungen auf Solanas Validator-Landschaft fehlt. Mit dieser Arbeit wollen wir diese Lücke schließen.

Zunächst behandeln wir die wirtschaftlichen Grundlagen der gestakten, blockproduzierenden Validator-Nodes von Solana. Ein solides Verständnis der Validator-Ökonomie ist eine entscheidende Voraussetzung für die spätere Analyse. Wenn du bereits mit den neuesten Entwicklungen einschließlich SIMD-96 vertraut bist, kannst du diesen Abschnitt überspringen. Danach schlüsseln wir das SFDP vollständig auf und untersuchen die wichtigsten Programmkomponenten anhand von Beispielen und einer kurzen Analyse. Anschließend betrachten wir die Stake-Verteilung von Solana und insbesondere die Auswirkungen des SFDP auf diese Verteilung. Abschließend diskutieren wir mit Beiträgen aus der Validator-Community, ob Long-Tail-Validatoren mit geringerem Stake ein tragfähiges, langfristiges und nachhaltiges Geschäft aufbauen können.

Hinweis: Solana entwickelt sich schnell! Diese Arbeit ist als Momentaufnahme zu verstehen. Viele der genannten Werte ändern sich täglich, insbesondere der SOL-Preis. Die neuesten Werte findest du in den verlinkten Datenquellen.

Wirtschaftliche Grundlagen von Solana-Validatoren

Der Betrieb eines Solana-Validators ist erlaubnisfrei. Jede Person oder Organisation mit den entsprechenden technischen Kenntnissen, Zugang zum offenen Internet und ausreichenden finanziellen Mitteln kann einen Solana-Validator betreiben. Es gibt keinen vorgeschriebenen Mindest-Stake. Abgesehen von externen Effekten lässt sich vernünftigerweise annehmen, dass rational handelnde Personen und Organisationen nur dann Zeit und Ressourcen für einen Validator aufwenden, wenn sie eine positive finanzielle Rendite erwarten – also Einnahmen, die die Kosten übersteigen. Um dies besser zu verstehen, betrachten wir zunächst die relevanten Ausgaben.

Ausgaben

Die Ausgaben für den Betrieb eines Solana-Validators lassen sich in drei Hauptkomponenten unterteilen: Hardware, Betriebskosten und Opportunitätskosten für Kapital und Arbeit.

Hardware (Fixkosten, in Fiatwährung)

Solana stellt höhere Anforderungen an Nodes als die meisten vergleichbaren Netzwerke der Branche. Die vollständige offizielle Hardwareempfehlung für Solana-Validatoren umfasst unter anderem folgende Schlüsselkomponenten:

  • CPU: 12 Kerne/24 Threads oder mehr, Basistakt von 2,8 GHz oder höher 
  • Arbeitsspeicher: 256 GB oder mehr
  • Festplatte: PCIe Gen3 x4 NVME SSD oder besser, insgesamt mindestens 2 TB. Hoher TBW-Wert
  • Keine GPU erforderlich

Hardware gehört zu den leichter quantifizierbaren Validator-Kosten, doch auch hier gibt es viele Feinheiten. Betreiber haben zwei Hauptoptionen: Sie kaufen die Hardware und schreiben die Kosten über die Lebensdauer der Geräte ab oder mieten Hardware in einem Rechenzentrum, das dedizierte Bare-Metal-Server anbietet. Die meisten Validator-Betreiber entscheiden sich wegen der Flexibilität für die zweite Variante. Zudem erfordert der Betrieb zu Hause aufgrund des hohen Bandbreitenbedarfs eine dedizierte Internetleitung.‍

Eine häufig genannte günstigere Option, die diese Anforderungen erfüllt, sind die Bare-Metal-Server von Latitude. Sie beginnen bei 350 $ pro Monat. Dieser Preis liegt am unteren Ende dessen, was Betreiber üblicherweise zahlen. Die Kosten variieren je nach geografischer Region, Dienstanbieter und genauer Hardware. Zu den beliebten ISPs, die von mindestens 100 Validatoren genutzt werden, gehören Teraswitch, Constant, Interserver und OVH. Eine Aufschlüsselung findest du hier.

Das langjährige Serverprogramm der Solana Foundation (SFSP) soll die Einstiegshürde senken, damit neue Validator-Betreiber mit sofort einsatzbereiten Lösungen schnell dem Netzwerk beitreten können. Im Kern handelt es sich um eine Großabnahmevereinbarung, an der die Foundation nichts verdient. Das SFSP bietet derzeit flexible Mietverträge für Edgevana und Equinix zu Preisen zwischen 499 $ und 599 $ pro Monat. Die Einrichtung kann innerhalb eines Tages abgeschlossen werden. KYC ist erforderlich.

Abstimmungsgebühren (Fixkosten, in SOL)

Abstimmungsgebühren pro Epoche = 0.000005 SOL * abgegebene Stimmen

Betriebskosten treten in 2 Formen auf: On-Chain-Abstimmungsgebühren und Kosten für Datenbandbreite. On-Chain-Abstimmungsgebühren sind die wichtigsten Kosten beim Betrieb eines Validators. Sie entstehen, weil Validatoren starke Anreize haben, über Blöcke abzustimmen, die ihrer Ansicht nach kanonisch sein sollten. Diese Konsensstimmen werden als Transaktionen behandelt. Abstimmungstransaktionen kosten einheitlich 0.000005 SOL. Es handelt sich um privilegierte Transaktionen, die über dedizierte Kanäle innerhalb der Banking Stage verarbeitet werden. Daher müssen sie nie Prioritätsgebühren zahlen. Jede Epoche besteht aus 432.000 Slots, aber nicht jedem Slot ist ein Block zugeordnet. Die tatsächliche Zahl ist wegen übersprungener Slots, über die nicht abgestimmt werden kann, etwas geringer. Je nach Netzwerkbedingungen liegt die Rate übersprungener Slots üblicherweise zwischen 2 und 6 %. Seit der Einführung von Timely Vote Credits auf Mainnet-Beta Anfang dieses Jahres können Validatoren mit einer einzigen Stimme für mehrere Blöcke abstimmen. Dadurch sind die durchschnittlichen Abstimmungsgebühren auf 1,4 SOL pro Epoche (≈2 Tage) gesunken.

Bandbreite (Variable Kosten, in Fiatwährung)

Der Bandbreitenbedarf variiert zwischen Validatoren, da Validatoren mit höherem Stake häufiger als Leader ausgewählt werden. Während ihrer zugewiesenen Slots erleben Leader starke Aktivitätsspitzen. Der eingehende Datenverkehr kann mehr als ein Gigabyte pro Sekunde erreichen, da das gesamte Netzwerk Pakete an sie sendet. Daher wird für Validatoren eine Bandbreite von mindestens 1 Gigabyte, empfohlen werden 10, angesetzt. Ein typischer Validator kann problemlos 100 Terabyte Daten pro Monat verarbeiten. Andere melden allein beim ausgehenden Datenverkehr fast 150 Terabyte.

Wie Rechenzentren Bandbreite abrechnen, unterscheidet sich stark. Latitude bietet kostenlosen eingehenden Datenverkehr und 20 Gigabyte kostenlosen ausgehenden Datenverkehr. Danach kostet die Bandbreite je nach Region 0,64 $ bis 3,60 $ pro Terabyte.

Opportunitätskosten (Fixkosten, in Fiatwährung)

Opportunitätskosten bestehen aus zwei Teilen: Kapital und Arbeit. Die Opportunitätskosten des Kapitals entsprechen der Rendite kurzfristiger US-Dollar-Schatzwechsel, die derzeit bei 5,25–5,5 % liegt. Diese Rendite hätten wir erwarten können, wenn wir nicht in unseren Validator-Betrieb investiert hätten. Die Opportunitätskosten der Arbeit entsprechen dem marktüblichen Gehalt einer Person, die für den anspruchsvollen technischen Betrieb des Validators qualifiziert ist. Betreiber müssen Blockchain-Architekturen, Hardware, Backend-Entwicklung und DevOps sicher beherrschen. Ausfallzeiten werden bestraft. Validator-Nodes sollten daher zu 100 % aktiv sein und müssen ständig überwacht sowie regelmäßig mit Softwareupdates versorgt werden. Marktgerechte Gehälter für solche Fachkräfte unterscheiden sich je nach geografischem Standort erheblich.

Einnahmen

Validatoren haben mehrere Einnahmequellen, darunter Blockbelohnungen, Provisionen und MEV.

Staking-Provision (Variable Kosten, in SOL)

Staking-Provision = (Belohnungen für delegierten Stake * Provisionssatz)

Solana verteilt in jeder Epoche Staking-Belohnungen, indem gemäß dem Inflationsplan neue SOL-Token erzeugt werden. Staking-Belohnungen werden zunächst anhand der in der Epoche verdienten Credits aufgeteilt. Wenn ein Validator korrekt für einen Block stimmt, der später finalisiert und kanonisch wird, erhält er einen Credit. Dies kann sich mit der Einführung von Timely Vote Credits ändern.

Der Anteil eines Validators an den gesamten Credits – also seine Credits geteilt durch die Summe der Credits aller Validatoren – bestimmt seine anteilige Belohnung. Diese wird zusätzlich nach Stake gewichtet. Ein Validator mit 1 % des gesamten Stakes sollte ungefähr 1 % der gesamten Inflation erhalten, wenn er eine durchschnittliche Anzahl von Credits hat. Liegt seine Credit-Zahl über dem Durchschnitt, schwanken die Belohnungen entsprechend. Vote Credits sind ein quantitatives Maß für die Beteiligung und Korrektheit eines Validators im Konsensprozess.

Staking-Belohnungen werden an Delegierende und nicht an Validatoren ausgeschüttet. Validatoren können jedoch für ihre Dienste eine Provision verlangen. Diese entspricht einem Prozentsatz der Inflationsbelohnungen der Delegierenden. Die Provision liegt üblicherweise im einstelligen Prozentbereich, kann technisch aber jede ganze Zahl von 0 % bis 100 % betragen.‍

Hinweis: Es gibt mehr als 200 „private“ Solana-Validatoren, deren Stake vermutlich vollständig der betreibenden Organisation gehört und an sie selbst delegiert ist. Diese vollständig selbst gestakten SOL-Validatoren setzen ihre Provision auf 100 %.

Blockbelohnungen (Variable Kosten, in SOL)

Blockbelohnungen pro erzeugtem finalisierten Block (nach SIMD-96) = (Basis-Transaktionsgebühren * 0.5) + Prioritätsgebühren

Validatoren, die für einen bestimmten Block als Leader ausgewählt werden, erhalten zusätzliche Blockbelohnungen. Nur der Validator, der den Block erzeugt hat, erhält diese Belohnungen. Die Blockbelohnungen werden dem Identitätskonto des Validators sofort gutgeschrieben, wenn der Block erzeugt wird. 

Zuvor bestanden diese Belohnungen aus 50 % der Basisgebühren und 50 % der Prioritätsgebühren aller Transaktionen im Block. Die übrigen Gebühren wurden verbrannt. Diese Struktur wird sich jedoch mit der Verabschiedung von SIMD-96 ändern. Die Implementierung soll gemäß dem aktuellen Zeitplan für die Aktivierung des Feature Gates nach der Breakpoint Conference 2024 mit Agave 2.0 erfolgen. Künftig gehen 100 % der Prioritätsgebühren an die Blockproduzenten. Diese Änderung beseitigt den Anreiz für Blockproduzenten, Nebenabsprachen außerhalb des Protokolls zu treffen.

MEV (Variable Kosten, in SOL)

MEV-Provision = (Gesamter MEV * MEV-Provisionssatz)

Maximal Extractable Value (MEV) bezeichnet Gewinne, die Blockproduzenten erzielen können, indem sie Transaktionen in den von ihnen produzierten Blöcken nach eigenem Ermessen aufnehmen, ausschließen oder neu anordnen. Solana schreibt nicht vor, wie Validatoren Transaktionen innerhalb eines Blocks anordnen. Dadurch entsteht viel Spielraum für MEV-Mechanismen außerhalb des Protokolls.

Mehr als 80 % des Stakes verwenden den Jito-Validator-Client, einen Fork des ursprünglichen Agave-Clients. Er führt eine Blockspace-Auktion außerhalb des Protokolls ein, die Validatoren eine zusätzliche Einnahmequelle durch Trinkgelder bietet. Blockspace-Auktionen finden off-chain über die Jito Block Engine statt. Searcher und Anwendungen können dort Gruppen atomar ausgeführter Transaktionen einreichen, die als Bundles bezeichnet werden. Diese Bundles enthalten üblicherweise zeitkritische Transaktionen wie Arbitragen oder Liquidationen. Zuvor betrieb Jito einen kanonischen Mempool-Dienst außerhalb des Protokolls, der inzwischen eingestellt wurde.

Jito erhebt auf alle Trinkgelder eine Gebühr von 5 %, wobei das Mindesttrinkgeld 10.000 Lamports beträgt. Trinkgelder funktionieren vollständig außerhalb des Protokolls und getrennt von Prioritäts- und Basisgebühren. Sie werden von Searchern über acht statisch zugewiesene Kontoadressen eingesammelt und am Ende jeder Epoche vom Tip Distribution Program verteilt.

Im Laufe des Jahres 2024 sind Einnahmen aus Jito MEV von einem Rundungsfehler zu einer bedeutenden Einnahmequelle für Validatoren gewachsen. Diese Einnahmen werden nach Stake und abzüglich einer Provision verteilt, analog zu den Inflationsbelohnungen. Die MEV-Provision ist ein Prozentsatz der MEV-Belohnungen der Delegierenden und reicht von 0 % bis 100 %. Dieser Prozentsatz wird unabhängig vom Provisionssatz des Validators für Inflationsbelohnungen festgelegt.

Solanas MEV-Landschaft entwickelt sich schnell. Noch heute beteiligen sich einige Validatoren an privaten Mempools und profitieren von Sandwich-Angriffen auf Nutzer, obwohl solche Aktivitäten gesellschaftlich geächtet sind und die Nutzererfahrung beeinträchtigen. Wir erwarten, dass weitere Mechanismen zur Eindämmung solcher Praktiken entwickelt werden. Dazu gehören reputationsbasierte QoS, vollständig on-chain betriebene Bewertungssysteme und neue Validator-Clients, die „guten“ MEV erfassen.

MEV ist ein komplexes Thema. Lies unseren früheren Helius-Blogartikel hier, um mehr über Jito und Solana MEV zu erfahren.

Sonstige

Seit der teilweisen Einführung von Stake-Weighted Quality of Service (SWQoS) können Validatoren Vereinbarungen treffen, um ihre nach Stake gewichtete Kapazität an RPC-Nodes zu vermieten. Im Gegenzug erhalten RPC-Nodes mehr Bandbreite und können dadurch höhere Blockaufnahmeraten erreichen. Marktplätze für Transaktionsbandbreiten-Auktionen erleichtern solche Vereinbarungen zwischen Projekten, die Bandbreite kaufen möchten, und Validator-Betreibern, die überschüssige Bandbreite verkaufen wollen.

Indirekte Motive

‍Nachdem wir alle direkten Kosten und Einnahmequellen des Validator-Betriebs analysiert haben, betrachten wir nun die indirekten Motive.

Der Betrieb eines Validators kann positive externe Effekte erzeugen oder Vorteile für andere Geschäftsbereiche schaffen. Helius ist ein Beispiel dafür: Wir betreiben einen Validator, der Synergien mit unserem RPC-Kerngeschäft schafft und die Aufnahme von Kundentransaktionen verbessert. Seit der Einführung von SWQoS haben alle populären Anwendungsteams im Ökosystem einen zusätzlichen Anreiz, einen Validator zu betreiben und sich damit die Servicequalität ihrer Transaktionen zu sichern.

Darüber hinaus signalisiert der Betrieb eines Validators ein positives Engagement für das Ökosystem und kann andere Marktteilnehmer günstig beeinflussen. Validatoren mit sehr hohem Stake verleihen ihren Betreibern außerdem ein gewisses Prestige. Umgekehrt kann ein Validator mit geringem Stake neueren, weniger etablierten Teams helfen, Vertrauen aufzubauen und als „Nachweis technischer Kompetenz“ dienen.

‍Zentralisierte Börsen (CEXs) sind ein weiterer relevanter Fall, da mehrere Börsen zu den Solana-Validatoren mit dem höchsten Stake zählen. Für sie ist Solana-Staking nur ein vergleichsweise kleiner Geschäftsbereich innerhalb einer größeren Produktmatrix. Kleinere Börsen können weiterhin unprofitable Staking-Dienste betreiben, um ein vollständiges Produktangebot aufrechtzuerhalten. CEX-Staking-Dienste sind teilweise vom Wettbewerb abgeschirmt: Privatkunden agieren off-chain, legen Wert auf Komfort und reagieren relativ unempfindlich auf unterdurchschnittliche Staking-Renditen. Dadurch haben CEXs viel Spielraum bei der Rendite, die sie an Nutzer weitergeben.

Eine weitere relevante Kategorie sind Anbieter institutioneller Staking-Lösungen. Diese Unternehmen bieten Staking-Dienste über mehrere Chains hinweg an. Einige davon sind für sich genommen möglicherweise nicht profitabel, ergeben aber als Teil der umfassenderen Unternehmensstrategie Sinn. 

Die wichtigste Erkenntnis lautet: Es gibt mehrere Szenarien, in denen der Betrieb eines unprofitablen Validators trotzdem sinnvoll ist. Zudem unterliegt der SOL-Preis – eine Schlüsselvariable für die Rentabilität in Fiatwährung – der Volatilität der Kryptomärkte. Im Dezember 2022, als SOL nach dem Zusammenbruch von FTX bei 15 $ lag, waren Schätzungen zufolge nur 183 Solana-Validatoren profitabel. Preisschwankungen erschweren verlässliche Prognosen, erhöhen aber die Toleranz gegenüber unprofitablen Quartalen. Das gilt besonders für Betreiber, die von den langfristigen Aussichten des Ökosystems überzeugt sind.

Zusammenfassung

‍Kosten = Hardware (fix, Fiatwährung) + Bandbreite (variabel, Fiatwährung) + Abstimmungen (fix, SOL) + Opportunitätskosten (fix, Fiatwährung)

Einnahmen = Staking-Provision (variabel, SOL) + Blockbelohnungen (variabel, SOL) + MEV-Provision (variabel, SOL)

Alle Einnahmen werden in SOL erzielt und skalieren direkt mit dem Stake. Viele Kosten sind fix und werden in Fiatwährung bezahlt.

Eine ausführlichere Betrachtung dieses wichtigen Themas findest du in unserem früheren Helius-Blogartikel Solana-Validator-Ökonomie: Eine Einführung.

Delegationsprogramm der Solana Foundation (SFDP)

Langfristig sollte das SFDP meiner Meinung nach eher wie ein Inkubator funktionieren, mit dem wir das Risiko am Anfang reduzieren, dich aber nicht unbegrenzt unterstützen. Je weniger entscheidend die Foundation für die Aufrechterhaltung einer gesunden Validator-Anzahl ist, desto besser.

Ben Hawkins
Ben Hawkins
Leiter des Staking-Ökosystems bei der Solana Foundation

‍Ursprung des Programms

In den Anfangstagen von Solana gab es kein SFDP. Die Mehrheit der Mainnet-Beta-Validatoren erhielt von der Solana Foundation direkte Delegationen von bis zu 550.000 SOL. Dieser Wert war relativ willkürlich gewählt.

Das SFDP wurde im Dezember 2020 offiziell angekündigt. Die Bereitstellung wurde zunächst durch ein Skript automatisiert, das einen Pool von 100 Millionen SOL dynamisch und gleichmäßig aufteilte, um die Anzahl der Nodes in der Ein-Drittel-Superminorität zu maximieren. Die Superminorität ist ein entscheidender Schwellenwert. Sie bezeichnet die kleinste Gruppe von Validatoren, die bei einer Absprache genug Stake kontrollieren würde, um den Konsensprozess zu stören, Blöcke zu zensieren oder sogar die Chain anzuhalten. Dieses Szenario ist theoretisch möglich, in der Praxis aber unwahrscheinlich, da diese Akteure durch eine Netzwerkstörung finanziell am meisten verlieren würden.

Diese ursprüngliche SFDP-Struktur bot Betreibern innerhalb der Superminorität einen aktiven Anreiz, ihren Stake auf mehrere Validatoren zu verteilen. So entstanden neue Nodes außerhalb der Superminorität, die sich automatisch für Programmdelegationen qualifizierten. Die ursprünglichen Programmanforderungen waren im Vergleich zu den heutigen Standards relativ locker. Zudem war der Delegationspool mit 100 Millionen SOL größer.

Diese Version des SFDP fungierte als grobes automatisiertes Werkzeug, das den Stake gleichmäßiger über eine lange Reihe von Validatoren mit geringerem Stake verteilte.

Die aktuelle Form des SFDP startete im April 2024. Das aktualisierte Programm nennt drei Ziele:

  • Dezentralisierung, Zuverlässigkeit und Leistung von Solana maximieren
  • Die Anzahl der Validatoren mit vielfältigen Stake-Quellen maximieren
  • Ein großes und repräsentatives Testnet aufrechterhalten

Testnet

Betrachten wir zunächst Testnet, einen der vier Standard-Cluster von Solana: Localnet, Testnet, Devnet und Mainnet-Beta. Es dient dazu, Funktionen kommender Releases unter Last zu testen und gleichzeitig Netzwerkleistung, Stabilität sowie das Verhalten von Validatoren in einem Live-Cluster zu überwachen. Localnet darf nicht mit Devnet verwechselt werden. Devnet ist eine Spielwiese für Entwickler, auf der sie Programme sicher und kostenlos bereitstellen und Anwendungen testen können. Ein aktives, großes Testnet ist für Solana entscheidend. Da alle Testnet-Token grundsätzlich wertlos sind, müssen jedoch alternative Methoden gefunden werden, um Validatoren Anreize zu bieten und sie zu vergüten. Das Testnet ist daher ein wichtiger Bestandteil des SFDP. 

Die Teilnahme am Testnet-SFDP ist Voraussetzung für das Mainnet-Beta-Programm. Alle Teilnehmer müssen in das Testnet-Programm aufgenommen worden sein und dort einen einwandfreien Status haben. So kann das SFDP Betreiber prüfen. Diese müssen ihre Betriebsfähigkeit nachweisen, indem sie bestimmte Testnet-Anforderungen erfüllen. Zusätzlich bietet das Testnet-Programm begrenzte Anreizzahlungen von 250 $ pro Monat für höchstens sechs Monate. Sie gleichen die fixen Hardwarekosten des Node-Betriebs teilweise aus und setzen voraus, dass die Leistungsanforderungen erfüllt werden.‍

Aufnahme in das Programm

Auf das Testnet-Programm kannst du sofort zugreifen. Für den Beitritt zum zentralen SFDP auf Mainnet-Beta gibt es aufgrund der hohen Nachfrage dagegen eine Warteliste von mindestens einem Jahr. Derzeit werden jede Woche wenige neue Teilnehmer im niedrigen einstelligen Bereich über die Standard Priority Queue in das Mainnet-Programm aufgenommen. Daneben gibt es einen alternativen Aufnahmeweg namens „Ecosystem Contributor Priority Queue (ECPQ)“, der speziell für Entwickler und Mitwirkende am Ökosystem vorgesehen ist. Diese Sybil-resistente „Proof-of-Work“-Warteschlange beschleunigt die Aufnahme von Personen, die bedeutende Beiträge zu Solana nachweisen können. Verifizierte Mitwirkende am Ökosystem werden innerhalb von ein bis zwei Wochen aufgenommen. Formale Kriterien dafür, was als „bedeutender Beitrag“ gilt, werden nicht genannt.

Stake-Delegation

Der vom SFDP delegierte Stake fällt in 2 Kategorien: Stake Matching und Restdelegation. Beim Stake Matching gleicht das SFDP den Nicht-Programm-Stake der Teilnehmer eins zu eins bis zu einer Obergrenze von 100.000 SOL aus. Beim Rest-Stake werden SOL, die für das Programm vorgesehen, aber noch nicht über Matching zugewiesen wurden, gleichmäßig auf alle berechtigten Validatoren verteilt. Der Rest-Stake beträgt derzeit ungefähr 30.000 SOL pro Validator. Die maximale Stake-Schwelle des Programms liegt derzeit bei 1 Million SOL. Teilnehmer mit einem Nicht-SFDP-Stake oberhalb dieses Betrags qualifizieren sich nicht mehr für das Programm. Im Folgenden findest du einige Szenarien auf Basis verschiedener Mengen an Nicht-SFDP-Stake:

‍Das SFDP bringt Validatoren mit geringerem Stake große Vorteile. Erst wenn ein Validator mehr als 130.000 Nicht-SFDP-SOL erreicht, macht der SFDP-Anteil weniger als die Hälfte seines Stakes aus. Die harte Ausschlussgrenze des Programms führt außerdem dazu, dass Validatoren mit 1,1 Millionen gestakten Nicht-SFDP-SOL insgesamt weniger Stake haben als Validatoren mit knapp unter 1 Million, die noch vom Programm profitieren. Wenig überraschend fordern einige eine weichere, stufenweise Reduzierung anstelle einer einzelnen Ausschlussgrenze. Diese könnte Validatoren in bestimmten Grenzfällen dazu motivieren, ihren Stake zu reduzieren, um im Programm zu bleiben.

Übernahme der Abstimmungskosten

Ein weiterer großer Vorteil des Programms ist die Übernahme der Abstimmungskosten. Wie bereits erwähnt, sind Abstimmungen die wichtigsten Betriebskosten eines Validators. Für neue Validatoren mit geringerem Stake können sie unerschwinglich sein und viele davon abhalten, überhaupt zu starten. Um dies abzufedern, bezuschusst das SFDP die Abstimmungskosten im ersten Jahr des Betreibers im Programm. In den ersten drei Monaten werden 100 % der Abstimmungskosten übernommen. Danach sinkt der Anteil jedes Quartal (45 Epochen) um 25 % und endet nach 12 Monaten.

‍Programmkriterien

Potenzielle Teilnehmer müssen einen KYC-/AML-Prozess durchlaufen, um dem Programm beizutreten. Außerdem müssen sie die Leistungskriterien erfüllen, die auf der offiziellen Website des Programms detailliert aufgeführt sind. Derzeit gelten zehn Anforderungen für den Erhalt einer Restdelegation und eine zusätzliche Anforderung für das Stake Matching. Für die Übernahme der Abstimmungskosten gelten dieselben Anforderungen wie für die Restdelegation.

Anforderungen für die Restdelegation

‍Anforderungen für das Stake Matching

‍SFDP-Teilnehmer können den Jito-Validator-Client betreiben und SWQoS-Bandbreite verkaufen. Es ist ihnen jedoch ausdrücklich untersagt, privaten Mempool-Programmen beizutreten, die Sandwich-Angriffe auf Nutzer ermöglichen.

Die offizielle Website bietet detaillierte Informationen zu einzelnen Validatoren, die am SFDP teilnehmen. Die Programm-Stakes sind über Stakeview hier im JSON-Rohformat verfügbar.

Detaillierte Staking-Informationen zum Delegationsprogramm werden in jeder Epoche öffentlich im Kanal „sfdp-mb-stake“ des Discord-Servers von Solana Tech veröffentlicht. Das SFDP bot früher ein CLI-Tool an, das inzwischen eingestellt wurde.

Das SFDP ist nicht das einzige Programm dieser Art. Ähnliche Initiativen auf anderen Blockchains sind das Delegationsprogramm der Celestia Foundation, von dem nach manchen Schätzungen mehr als die Hälfte aller aktiven Celestia-Validatoren profitiert, das Delegationsprogramm der Sui Foundation und das Delegationsprogramm der Near Foundation, das nicht mehr aktiv ist.

Validator-Landschaft und Auswirkungen des SFDP

Bevor wir die Auswirkungen des SFDP untersuchen, müssen wir zunächst ein gemeinsames Grundverständnis der Validator- und Staking-Landschaft von Solana schaffen. 

Solana-Mitgründer Anatoly Yakovenko hat als langfristiges Ziel mehr als 10.000 vollständige Nodes genannt. Aktuell hat Solana insgesamt 1525 Validatoren. Im März 2023 waren es noch 2.564. Im Vergleich zu den meisten anderen Anbietern der Branche ist diese Zahl weiterhin relativ hoch.

‍Doch so wie Adressen auf einer Blockchain nicht mit Nutzern gleichzusetzen sind, entspricht die Zahl der Validatoren nicht der tatsächlichen Anzahl der Betreiber. Diese Zahl dürfte etwas niedriger sein, da größere Betreiber ihren Stake häufig auf mehrere Validatoren verteilen. Beispiele dafür sind Jito (1, 2), Coinbase (1, 2) und Mrgn (1, 2, 3, 4). Es ist grundsätzlich nicht problematisch, wenn ein einzelner Betreiber mehrere Validatoren betreibt. Das kann dem Netzwerk zugutekommen, da es die geografische Vielfalt und die Vielfalt der Internetanbieter erhöht – vorausgesetzt, die Validatoren laufen nicht am selben Standort. Beachte außerdem, dass nicht alle Validatoren öffentlich mit bestimmten Betreibern verknüpft sind. Das liegt in der Natur eines erlaubnisfreien Systems.

Das Gesamtangebot von SOL liegt derzeit bei 582 Millionen. Davon sind 382 Millionen SOL gestakt, was rund 66 % des Gesamtangebots entspricht. Dieser Anteil ist seit mehreren Jahren relativ stabil, selbst angesichts der Inflation. Die hohe Staking-Quote lässt sich teilweise durch den einfachen Staking-Prozess erklären. Der Konsensmechanismus Delegated Proof of Stake (DPOS) ist nativ in das Solana-Netzwerk integriert. Staking ist direkt über Wallets, dApps im Ökosystem und verschiedene Vergleichsplattformen möglich. Token-Inhaber können SOL an jeder Epochengrenze einfach bei einem Validator staken oder unstaken. Außerdem können sie an Stake-Pools delegieren oder Liquid-Staking-Token kaufen, was ebenfalls Staking entspricht.

‍Sehen wir uns als Nächstes die aktuelle Stake-Verteilung im Mainnet-Beta-Validator-Set an. Diese Long-Tail-Verteilung direkt auf einem Diagramm mit linearer Skala darzustellen, ist etwas unpraktisch:

‍Unten siehst du dieselben Daten zur leichteren Analyse auf einer logarithmischen Skala:

‍Die Gesamtzahl der Staking-Adressen liegt derzeit bei 437.000 und steigt seit mehreren Jahren stetig. Die Gesamtzahl der Stake-Accounts wächst noch schneller und liegt aktuell bei 1,27 Millionen. 

Das entspricht durchschnittlich 2,9 Staking-Accounts pro Staking-Adresse. Es gibt viele legitime Gründe, warum ein einzelner Nutzer mehrere Adressen kontrolliert. Deshalb lassen sich Staking-Adressen nicht direkt mit Staking-Nutzern gleichsetzen. Es ist jedoch plausibel, dass die Zahl der Nutzer tendenziell zusammen mit der Zahl der Adressen steigt.

‍Gesperrter Stake nimmt langfristig langsam und stetig ab. Derzeit liegt er bei 47,5 Millionen SOL und macht 12 % des gesamten Stakes aus. Die Zahl der Accounts mit gesperrtem Stake ist dieses Jahr auf ein Allzeithoch von 5.194 gestiegen. Grund dafür sind Token-Verkäufe aus dem Insolvenzverfahren von FTX Estate/Alameda Research.

Gesperrter Stake bezeichnet Token in Accounts, deren Bedingungen eine Auszahlung vor einem festgelegten Datum verhindern. Diese Sperrparameter werden beim Erstellen des Accounts von einer bestimmten Verwahrstelle festgelegt und basieren auf einem bestimmten UNIX-Zeitstempel oder einer Epoche.

‍Überraschenderweise werden 94 % aller gestakten SOL nativ gestakt. Nur 6 % (24,2 Millionen SOL) nutzen Liquid Staking, das eine höhere Kapitaleffizienz und eine einfache Teilnahme am DeFi-Ökosystem von Solana ermöglicht. Anfang 2024 waren 17 Millionen SOL per Liquid Staking gestakt, vor einem Jahr 12,4 Millionen SOL. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 95 %.

‍Der oft zitierte Nakamoto-Koeffizient von Solana liegt derzeit bei 19. Am 13. August 2023 hatte er mit 34 seinen Höchststand erreicht. Der Nakamoto-Koeffizient ist ein grobes Maß für die Dezentralisierung. Er beschreibt die kleinste Gruppe von Nodes, die sich zusammenschließen und eine Blockchain anhalten könnte. Diese Gruppe wird auch als Superminorität bezeichnet und kontrolliert das oberste Drittel des Stakes.

‍SFDP

Sehen wir uns nun speziell das SFDP an. Alle Diagramme und Werte in diesem Abschnitt basieren auf Epoche 658 (Mitte August 2024). Die Rohdaten für diese Diagramme und Werte findest du hier.

Die Delegationen des SFDP werden über einen einzigen Stake-Authority-Account verwaltet. Dieser delegiert derzeit etwas mehr als 51 Millionen SOL. Das sind 13 % des Gesamt-Stakes von Solana und zum Zeitpunkt der Erstellung ein Wert von 7,3 Milliarden US-Dollar. In den vergangenen 3,5 Betriebsjahren hat sich der verwaltete Stake von anfänglich 100 Millionen SOL ungefähr halbiert.

Insgesamt unterstützt das SFDP 1105 Validatoren. Das sind 72 % aller 1525 Validatoren. Die vom SFDP unterstützten Validatoren kontrollieren 74 Millionen SOL (SFDP- und Nicht-SFDP-Stake), also 19 % des gesamten Solana-Stakes. Die 420 Validatoren, die nicht vom SFDP abhängig sind, kontrollieren 81 % des aktiven Stakes. Die durchschnittliche Delegation beträgt 45.652 SOL, der Median liegt bei 31.513 SOL.

Wenn wir den SFDP-Stake über ein logarithmisches Diagramm des gesamten Stakes legen, wird deutlich, wie überproportional er sich auf Long-Tail-Validatoren auswirkt, obwohl er nur 13 % des gesamten Stakes ausmacht.

‍Wenn wir den SFDP-Stake aus dem obigen Diagramm entfernen, wird der erhebliche Einfluss des Programms außerhalb der Zweidrittel-Supermajorität noch deutlicher.

‍Betrachten wir den Gesamt-Stake (SFDP- und Nicht-SFDP-Stake) der SFDP-Teilnehmer, haben 13 Validatoren (1 % der Teilnehmer) mehr als 300.000 SOL und 205 Validatoren (19 %) mehr als 100.000 SOL.

‍Entfernen wir den SFDP-Stake und konzentrieren uns auf den Nicht-SFDP-Stake, den die Programmteilnehmer selbst gewinnen konnten, sehen wir: 50 Validatoren (4,5 %) haben mehr als 100.000 SOL Stake, 184 Validatoren (17 %) mehr als 50.000 SOL, 810 Validatoren (73 %) weniger als 10.000 SOL und 567 Validatoren (51 %) konnten außerhalb des Programms weniger als 1.000 SOL Stake gewinnen.

‍Die Aufnahmerate neuer SFDP-Teilnehmer zeigt über mehrere Jahre einen konstanten Trend. Teilnehmer wurden also nach und nach in das Programm aufgenommen und nicht in Gruppen.

‍763 der SFDP-Validatoren (69 %) haben ihren Provisionssatz auf 7 % festgelegt. Das ist das Maximum, das das Programm in dieser Epoche erlaubt. 295 Validatoren (27 %) haben ihren Provisionssatz auf 0 % festgelegt.

‍Interessanterweise weisen 531 (48 %) aller SFDP-Validatoren eine Kombination aus dem maximalen Provisionssatz von 7 % und weniger als 1.000 SOL Nicht-SFDP-Stake auf. Unter den 100 führenden Programm-Validatoren, geordnet nach dem Nicht-SFDP-Stake, den sie außerhalb des Programms gewinnen konnten, haben 18 einen Provisionssatz von 7 %. Unter den 100 Schlusslichtern sind es 97.

‍Langjährige Mitglieder der Solana-Validator-Community haben zuvor geschätzt, dass ein Stake von ungefähr 35.000 SOL nötig ist, um die Abstimmungsgebühren zu decken – die größte Ausgabe für Validatoren. Derzeit erreichen nur 208 SFDP-Validatoren (19 %) diesen Schwellenwert mit Nicht-SFDP-Stake. Daraus lässt sich schätzen, dass bei einer sofortigen Einstellung des SFDP 897 Programmteilnehmer – 57 % aller Solana-Validatoren – unrentabel würden. Sie könnten nicht einmal mehr ihre Abstimmungsgebühren decken, geschweige denn zusätzliche Ausgaben wie Hardware, Bandbreite und Opportunitätskosten.

Wegen der SFDP-Obergrenze von 1 Million delegierten SOL außerhalb des Programms kann derzeit kein Validator in der Superminorität oder Supermajorität Unterstützung durch das SFDP erhalten. Aufgrund dieser festen Obergrenze kommen nur Long-Tail-Validatoren in den letzten 32 % des Stakes außerhalb der Supermajorität infrage.

Der Weg der Validatoren zur Nachhaltigkeit

Dieser Abschnitt des Berichts untersucht die Situation aus der Perspektive eines neueren, unabhängigen Solana-Validators mit geringem Stake – genau die Art von Betreiber, die das SFDP unterstützen soll. Welche Möglichkeiten gibt es, den Stake über das SFDP hinaus zu erhöhen? Wie können solche Validatoren einen Wettbewerbsvorteil am Markt erzielen? Und wie sind die langfristigen Aussichten für diese Gruppe?

‍Zusammengefasst hat ein unabhängiger Long-Tail-Validator drei Hauptkanäle, um seinen Stake zu erhöhen: SFDP, Stake-Pools und eigene Kanäle. Das SFDP haben wir bereits behandelt. Sehen wir uns nun die anderen verfügbaren Optionen an.

Stake-Pools

„Es gibt im Geschäftsleben nur zwei Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Die eine ist das Bündeln. Die andere ist das Entbündeln.“ — Jim Barksdale, Netscape.

Stake-Pools werden oft als eine der besten Möglichkeiten genannt, mit denen unabhängige Validatoren Stake gewinnen können. Sie sind eine Alternative zum herkömmlichen nativen Staking und tragen zur Dezentralisierung des Netzwerks bei, da sie eine einfache Stake-Delegation auf viele Validator-Nodes ermöglichen. Als Gegenleistung für das Staking in einem Stake-Pool erhalten Delegierende in der Regel einen Liquid-Staking-Token (LST). Jeder Stake-Pool hat eigene Kriterien für Validatoren und eine eigene Delegationsstrategie. Einige Pools legen den Schwerpunkt auf geografische Dezentralisierung. Fast alle verlangen, dass Validatoren bestimmte Mindestanforderungen an die Performance erfüllen, bevor sie in das Validator-Set aufgenommen werden. Ein einzelner Validator kann gleichzeitig an mehreren Stake-Pools teilnehmen.

Die Stake-Pools mit den meisten teilnehmenden Validatoren auf Solana sind Blaze (351), Marinade (337), Jito (283) und JPool (263). Alle haben strenge Kriterien, die Validatoren für den Beitritt zum Pool erfüllen müssen. Häufige Anforderungen sind, dass sich der Validator außerhalb der Superminorität befindet, über mehrere kürzlich abgeschlossene Epochen einen hohen APY erzielt und eine niedrige Skip-Slot-Rate aufweist. Detaillierte Delegationskriterien findest du hier: Jito, Blaze, Marinade, JPool. Die Verwaltungsgebühren betragen bei mSOL 6 %, bSOL 5 %, JitoSOL 4 % und JPool 5 %. Die Pools werden in jeder Epoche bis zu einer Obergrenze von etwa 5 % bis 7,5 % des Gesamt-Stakes neu gewichtet. 

Stake-Pools sind klassische Online-Aggregatoren, die Angebot und Nachfrage zusammenbringen. Das Angebot besteht hier aus austauschbaren unabhängigen Validatoren. Du kannst sie dir wie Uber-Fahrer oder unabhängige kleine Händler auf einem E-Commerce-Marktplatz vorstellen. Die Nachfrage kommt von Tausenden Nutzern, die relativ kleine oder mittlere SOL-Beträge staken möchten. Nutzer suchen Komfort und eine Rendite in Form eines wettbewerbsfähigen APY. Aggregatoren wollen ihren Marktanteil und ihre Provision erhöhen, indem sie den Austausch zwischen beiden Parteien ermöglichen. Unabhängige Validatoren wollen vor allem ihren Stake steigern.

‍Internetbasierte Aggregatoren sind gut erforscht. In solchen Wertschöpfungsketten fließt der Wert typischerweise an den Aggregator, der seine Preismacht gegenüber den Anbietern ausspielen kann. Was für Anbieter zunächst kostenlos war, entwickelt sich mit der Zeit zu einem hart umkämpften Pay-to-play-System. Erste Anzeichen dafür sehen wir bei der neuen Delegationsstrategie Stake Auction Marketplace (SAM) von Mardinade Finance. Dabei handelt es sich um eine wettbewerbsorientierte Preisauktion, bei der Validatoren in einem „Pay-for-Stake“-System direkt gegeneinander um Stake-Zuweisungen bieten. Validatoren haben einen Anreiz, bis zu dem Satz zu bieten, den sie noch für profitabel halten. Möglicherweise gehen sie sogar darüber hinaus, wenn sie davon ausgehen, dass das SFDP den über SAM erhaltenen Stake verdoppelt.

‍Jito ist mit mehr als 12 Millionen SOL der größte Pool nach Stake. Im Durchschnitt über die 283 Validatoren des Pools entspricht das 42.500 SOL pro Validator. Diese beträchtliche Zuweisung kann einen Validator allein über die Gewinnschwelle bringen. Andere Pools haben niedrigere Durchschnittswerte. Wegen der Überschneidungen zwischen ihnen würde es nur für einige Hundert Validatoren ausreichen, sich ausschließlich auf diese Pools zu verlassen.

Sanctum und Validator-LSTs

Eine viel diskutierte Ergänzung zum Stake-Pool-Modell, die dieses Jahr an Beliebtheit gewonnen hat, ist Sanctum. Sanctum beseitigt viele der größten Hürden beim Start eines LST. Die Plattform löst für Long-Tail-Validatoren, die einen LST unter eigener Marke starten und damit Stake gewinnen möchten, die Probleme der Liquiditätsbereitstellung und der DeFi-Komposierbarkeit.

‍Sanctum lässt sich als eine Shopify-ähnliche Plattform betrachten, die Validatoren die nötige Infrastruktur für den Direktvertrieb an Verbraucher (DTC) bietet. Sie hat jedoch denselben entscheidenden Nachteil wie Shopify: Sie kann keine nennenswerte Distribution bieten. Sanctum ist lediglich ein Toolkit, wenn auch ein wichtiges. Es schafft bei der Nutzererfahrung weitgehend gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen den größten und liquidesten LST-Anbietern und kleineren Akteuren. Sanctum ist ein wichtiger Durchbruch für Validatoren, die ihr Produkt bereits differenziert und/oder eigene Vertriebskanäle aufgebaut haben.

Das zeigt ein zentrales Problem für unabhängige Pure-Play-Validatoren mit geringem Stake: Es gibt nur wenige effektive Kanäle, über die sie ihre Dienste vermarkten können. Inhalte zu erstellen, Social-Media-Kanäle zu verwalten und eine Community aufzubauen, kann effektiv sein. Diese Kompetenzen passen jedoch selten zu kleinen Validator-Teams mit technischem Fokus.

Wenn wir zu unserer vorherigen Übersicht der Validator-Landschaft zurückkehren, sehen wir, dass andere Gruppen – insbesondere Ökosystem-Teams, Börsen und institutionell ausgerichtete Staking-Anbieter – klarer definierte Kanäle haben, um Staker zu erreichen. Ökosystem-Teams betreiben dApps, Wallets und Infrastruktur, die auf natürliche Weise hochwertige Leads für Staking-Dienste generieren. Bei sorgfältiger Planung lassen sich Nutzer relativ nahtlos durch Upselling oder Werbung in Staker umwandeln. Institutionell ausgerichtete Staking-Anbieter verfolgen naturgemäß einen anderen, mehrgleisigen Ansatz. Dazu gehören der Aufbau hochrangiger Beziehungen, die Einstellung von B2B-Vertriebsteams und die aktive Teilnahme an Branchenveranstaltungen. Zentralisierte Börsen sind wohl am besten aufgestellt, da sie auf ihre bereits große Kundenbasis zurückgreifen können.

‍Um Marktanteile zu gewinnen, müssen unabhängige Long-Tail-Validatoren um den nicht passiven Stake konkurrieren. Dieser Stake wird aktiv on-chain verwaltet und reagiert auf Faktoren wie den APY. Im Verhältnis zum Gesamt-Stake ist dieser Anteil jedoch relativ klein. Alle LSTs zusammen machen beispielsweise nur 6 % aus. Wenn Validatoren zudem 0 % Provision auf Inflation und MEV anbieten, könnten sie unbeabsichtigt die preissensibelsten Staker anziehen – also jene, die am ehesten unstaken, sobald die Sätze auf ein nachhaltigeres Niveau steigen.

Abstimmungsgebühren

Ein weiterer Nachteil für Long-Tail-Validatoren ist die Dynamik der Abstimmungsgebühren. Sie sind die größten laufenden Kosten eines Validators. Da sie in SOL angegeben werden, steigen diese Kosten weiter, je wertvoller das Netzwerk wird. Der aktuelle Mechanismus für Abstimmungsgebühren auf Solana hat zwei wesentliche Auswirkungen. Erstens erzwingt er einen relativ kleinen deflationären Burn von SOL-Token, von dem alle Token-Inhaber profitieren. Zweitens überträgt er Vermögen von Validatoren mit geringerem Stake auf Validatoren mit höherem Stake, wie das vereinfachte Beispiel unten zeigt.

Unabhängig von ihrem Stake müssen alle Validatoren abstimmen und dieselben Abstimmungsgebühren zahlen. 50 % dieser Gebühren werden verbrannt und 50 % an den Block-Builder verteilt. Leader-Slots werden jedoch anhand des Stakes zugewiesen. Validatoren mit höherem Stake erstellen daher pro Epoche mehr Blöcke als Validatoren mit niedrigerem Stake und erhalten mehr Abstimmungsgebühren der anderen Validatoren zurück. Abstimmungsgebühren lassen sich somit als Kreislaufwirtschaft betrachten, die Validatoren mit höherem Stake begünstigt.

Im Laufe des Jahres 2024 haben der deutliche Anstieg der Prioritätsgebühren und die MEV-Provisionen die relative Bedeutung der Abstimmungsgebühren verringert. Die Dynamik aus festen Kosten und variablen Einnahmen dieses Mechanismus wirkt jedoch weiterhin zentralisierend und benachteiligt Long-Tail-Validatoren.

Bereiche für künftige Forschung

Aus den in dieser Arbeit diskutierten Herausforderungen ergeben sich mehrere mögliche Ansätze für künftige Forschung. Dazu gehören:

  • Welche Anreize und Mechanismen könnten zentralisierenden Kräften entgegenwirken und Validatoren mit geringerem Stake besser unterstützen?
  • Wie viele Solana-Validatoren wären ideal? Was wäre ein „gesunder“ Nakamoto-Koeffizient und eine „gesunde“ Stake-Verteilung?
  • Wie könnte das SFDP angepasst werden, um die Anreize der Teilnehmer besser auf die Ziele des Programms auszurichten?
  • Gibt es Strategien, die große private, börseneigene und institutionelle Validatoren dazu bewegen könnten, ihren Stake gleichmäßiger zu verteilen – möglicherweise mithilfe der bestehenden Stake-Pool-Infrastruktur?

Fazit

In diesem Beitrag haben wir das SFDP und die damit verbundenen Herausforderungen für unabhängige Long-Tail-Validatoren auf Solana untersucht. Der Betrieb unabhängiger Validatoren ist ein äußerst wettbewerbsintensiver und offener Markt. Das Geschäftsmodell ist relativ transparent und die Eintrittsbarrieren sind mittel bis niedrig. Neuere unabhängige Validatoren ohne eigene Vertriebskanäle sind austauschbar. Ohne Differenzierung, synergetische Geschäftsmodelle oder eigene Marketingkanäle werden sie langfristig wahrscheinlich kaum Überrenditen erzielen. Selbst mit Unterstützung durch das SFDP ist es schwierig, Stake zu gewinnen. Der Großteil der SOL wird passiv gestakt und von großen privaten, institutionellen und börseneigenen Validatoren gehalten. Für neue Validatoren ist dieser Stake daher nicht zugänglich. In seiner aktuellen Form trägt das SFDP kaum dazu bei, diese umfassenderen Probleme zu lösen.

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